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„Wild Child – Erstklassig zickig“ Sprung ins kalte Wasser

 

Sprung ins kalte Wasser

von Claudia Bosch

 

Großbritannien/USA 2008.

Regie: Nick Moore. Buch: Lucy Dahl. Kamera: Chris Seager. Musik: Micheal Price. Produktion: Tim Bevan, Eric Fellner, Alexandra Ferguson, Diana Phillips.

Darsteller: Emma Roberts (Poppy), Kimberly Nixon (Kate), Juno Temple (Drippy), Lexi Ainsworth (Molly), Shelby Young (Ruby), Alex Pettyfer (Freddie), Aidan Quinn (Gerry), Natasha Richardson (Mrs. Kingsley), Georgia King (Harriet).

Verleih: Universal Pictures.

Länge: 98 Min.

Start:18.12.2008.

 

IMDb-Link



Ein metertiefer Sprung hinab in die Fluten des Pazifiks sorgt dafür, dass die 16-jährige Poppy (Julia Roberts Nichte Emma) fortan nur noch von ihrem luxuriösen Dasein im sonnigen Kalifornien träumen kann. Ihr Vater hat nämlich genug von den Kapriolen des aufmüpfigen Töchterchens und verdonnert sie zu einem Zwangsaufenthalt in einem britischen Eliteinternat, wo ihrem ausschweifenden High-Society-Lotterleben, bestehend aus Poolparties, Shopping-Touren, Kosmetiksitzungen und allerlei pubertären Schnapsideen, Einhalt geboten werden soll.

 

Die Handlung der laut Werbung „romantischen Teenagerkomödie“ ist schnell zusammengefasst: Reiche Göre muss zur Strafe in ein Mädcheninternat, wo sie nach anfänglicher Rebellion gegen alles und jeden Freundschaften knüpft, sich verliebt und sich zu einer bodenständigen jungen Dame mausert. Um die Geschichte nicht ganz so einfallslos aussehen zu lassen, baute Drehbuchautorin Lucy Dahl zwar noch die ein oder andere Wendung ein, zum Beispiel eine Intrige gegen Poppy, allerdings wird ihr Script dadurch auch nicht besser. Man traut sich kaum zu erwähnen, dass es die Tochter des berühmten Schriftstellers Roald Dahl (u.a. „James und der Riesenpfirsich“ und  „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ) ist, die für eine derart dürftige Drehbuchleistung verantwortlich zeichnet.

 

Die ganze Zeit über hat man das Gefühl, den schlechten Abklatsch von bereits vielfach zuvor Gesehenem vorgesetzt zu bekommen. Kaum trifft die schrecklich zickige Poppy in ihrem neuen „Zuhause“ ein, läuft sie auch schon ihrer zukünftigen Erzfeindin, der hochnäsig auftretenden Harriet, über den Weg, die nicht nur den Posten der Schulsprecherin innehat, sondern auch sonst überall die Nase vorn haben will – um der Familienehre willen, da Mitglieder ihrer Sippe seit Jahrzehnten zu den besten Schülern dieser Anstalt zählen. Durch etwas anderes als Leistung kann Harriet auch kaum bestechen, weil sie leider wirkt wie eine grobmotorische Halbriesin. Deshalb erstaunt es nicht weiter, dass sie beim einzigen männlichen Wesen weit und breit – dem märchenprinzartig aussehenden Sohn der Direktorin – nicht den Hauch einer Chance hat. Erst recht nicht, als Poppy auf dieses umschwärmte Objekt aller Mädchenfantasien aufmerksam wird.

Eigentlich müssten die  Schülerinnen beim Anblick des Schnuckelchens Freddie reihenweise in Ohnmacht fallen, so zuckersüß, wie er inszeniert wird – und dann hat er ja auch noch ein Cabrio! Seufz, kreisch…. Doch wie es der Zufall so will, darf nur Eine, nämlich die mit dem bescheuertsten Namen – ja, richtig geraten: Poppy – im edlen Gefährt des ritterlichen Sprosses Platz nehmen. Zickenterror scheint da nur die logische Konsequenz zu sein. Harriet kann diese Schmach keinesfalls auf sich sitzen lassen und geht zum Gegenangriff über, der sich unter anderem im Rahmen eines Sportturniers entlädt. Eigentlich hätte die Zauberersportart Quidditch am besten gepasst, da angesichts des Verhaltens der kleinen Hexen nur noch die Besen fehlen. Doch man entschied sich für die Ballsportart Lacrosse, bei der man versucht, einen Ball mit Hilfe von Netzschlägern ins gegnerische Tor zu befördern, was den Damen die wunderbare Gelegenheit bietet, ihre Aggressionen auszutoben.

 

Poppy hat mittlerweile trotz ihrer Renitenz Anschluss gefunden, da sie sich durch ihr Vorhaben – möglichst viel Mist zu bauen, um schnellstens von der Schule zu fliegen – nach und nach mit ihren Zimmerkameradinnen angefreundet hat. Daher hat sie es mit dem Rauswurf nun gar nicht mehr so eilig. Außerdem verändert sie nicht nur ihren Typ (von blond zu braun), sondern entdeckt auch die weniger ausgeflippten Seiten ihres Gemüts.

 

Wenn man sich die Internatsbewohner so ansieht, kann man sich dem Eindruck, dass hier fast  jeder einen an der Waffel hat, dennoch nur schwer entziehen. Vor allem die Lehrer werden als absolute Vollidioten präsentiert, die schon bei nichtigen Schülerstreichen in Tränen ausbrechen.  Nur die Leiterin der Anstalt, Mrs. Kingsley, verkörpert von Natasha Richardson, wirkt erstaunlich normal, weswegen sie auch sofort positiv aus dem insgesamt doch eher armseligen Darstellerkader heraussticht. Den jungen Schauspielerinnen wird durch die schlechte Führung seitens der Regie jegliche Chance auf eine adäquate Leistung verwehrt, denn statt auf  Natürlichkeit zu setzten, legt Regisseur Nick Moore den Fokus auf überzogene Mimik und Gestik, so dass man das künstliche Gehabe der Mädchen schon nach kurzem kaum noch erträgt. Nick Moore hätte besser daran getan, weiter als Cutter zu arbeiten. Immerhin schnitt er Filme wie „Notting Hill“, „About a Boy“ und „Tatsächlich…Liebe“, für die er sich – im Gegensatz zu diesem jämmerlichen Machwerk – keineswegs schämen muss. Was den überaus erfolgreichen Produzenten Tim Bevan („Abbitte“, „Burn After Reading“, u.v.m.) dazu bewegt hat, einen Schund wie „Wild Child – Erstklassig zickig“ zu produzieren, bleibt ebenfalls ein Rätsel.

 

Auch stört, dass der ganze Film mit aktuellen Popsongs vollgestopft ist, die teilweise nur wenige Sekunden zu hören sind und ganz offensichtlich nur deshalb zum Einsatz kamen, damit man sie auf die begleitende Soundtrack-CD packen kann. Zwar wird das die jugendliche Zielgruppe freuen, es bleibt aber dennoch abzuwarten, ob sie den Film annehmen wird, da sie wegen des vielfältigen, oftmals qualitativ hochwertigeren Angebots an Kinder- und Jugendfilmen durchaus differenzieren kann, ob das, was man ihr vorsetzt, etwas taugt oder nicht.

 

Im Abspann wird erneut gezeigt, wie Poppy von einer Terrasse aus in den Atlantik springt; und wenn man es sich recht überlegt, dann fühlt sich auch das Publikum – insbesondere ein erwachsenes – nach Rezeption dieser Komödie ein wenig wie nach einem Sprung ins kalte Wasser: Wenn man Zeit gehabt hätte darüber nachzudenken, hätte man sich die Sache wohl  lieber gespart. Bei einem Sprung ins kalte Nass erlebt man nach dem Auftauchen immerhin kurzzeitig ein Gefühl der Erfrischung, doch wohltuende Komponenten sucht man in „Wild Child – Erstklassig zickig“ leider vergeblich.

 


19.12.08 13:22
 



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