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„Kurzer Prozess“ / „Righteous Kill“

Der Pacino-De Niro-FilmFilm

von Maximilian Miguletz

USA 2008, Regie: Jon Avnet; Buch: Russell Gewirtz; Kamera: Denis Lenoir; Musik: Edward Shearmur; Produktion: Jon Avnet, Rob Cowan, Randall Emmett, Avi Lerner, Alexandra Milchan, Daniel M. Rosenberg, Lati Grobman.

Darsteller: Al Pacino (Rooster), Robert De Niro (Turk), 50 Cent (Spider), Carla Gugino (Karen Corelli), John Leguizamo (Detective Simon Perez), Donnie Wahlberg (Detective Ted Riley), Brian Dennehy (Hingis).

Verleih: Kinowelt
Laufzeit: 100 Minuten
Kinostart Dtl.: 01.01.2009



Hach, was wäre das doch eigentlich für ein Selbstläufer in Sachen Marketing: Pacino und De Niro – was soll da schief gehen? Zum ersten Mal treten zwei der größten Schauspiellegenden aller Zeiten im selben Streifen auf. Nicht in unterschiedlichen Sequenzen („Der Pate II" ) nicht nur für ein einzelnes Rendezvous im Café („Heat" ), sondern für zahlreiche gemeinsame Szenen. Dazu in einem narrativen Gefilde, das beide Stars in- und auswendig kennen und das sie groß gemacht hat. Braucht es mehr, um einen Film zu bewerben? Für die jüngere Zielgruppe gibt’s dann noch Stoff à la Stunt Casting, mit Curtis Jackson, besser bekannt als 50 Cent, dem nuschelnden Gangsterrapper aus den weltweiten Charts. Aber warum dann kaum PR? Schnellmerker erraten es sofort. Mit der Besetzung hat sich’s dann auch mit der Attraktivität von „Kurzer Prozess – Righteous Kill“.

Stilistisch unentschieden zwischen authentischem, psychologischem Polizeithriller und auf cool getrimmtem Actionfilm kommt Jon Avnets Werk wie eine ausgedehnte Episode ihrer liebsten, wenig anstrengenden US-Crime-Serie am Vorabend daher. Ein wenig komplexes Whodunit mit dem Versuch, das Moment der Selbstjustiz einzubringen. Aber ohne den Täter und dessen emotional aufgeladene Rachsucht, dessen Drang zur Gerechtigkeit oder dergleichen dient dieses Thema lediglich als Gimmick. Die meisten Superheldenfilme stellen Vigilantismus vielschichtiger dar. Lustigerweise ist in „Righteous Kill“ ein „The Dark Knight“-Poster zu sehen.

Alfred James Pacino und Robert Mario De Niro Jr. mimen zwei alteingesessene NYPD-Cops, die eine langjährige berufliche Freundschaft verbindet. Wieso sie sich so verbunden fühlen, warum sie gute Partner sind, was sie zum Beispiel erlebt haben, was sie zusammengeschweißt hat? Man erfährt es nicht. „In medias res“ könnte man mit zwei zugedrückten Augen sagen. Ihr neuester Fall führt Rooster und Turk auf die Spur eines Serienkillers. Der meuchelt mit Vorliebe brutale Zuhälter, Drogendealer, Vergewaltiger und Kindsmörder, die dem Arm des Gesetzes entwischt sind. Da hält sich die Fahndungsmotivation der beiden Polizisten in Grenzen. Ihre jungen Kollegen Perez (Leguizamo) und Riley (Wahlberg) werden misstrauisch und wähnen den Täter in den eigenen Reihen.

Genau das soll der Zuschauer von Anfang an vermuten. Nach einer schnell geschnittenen Anfangssequenz, die beide auf dem Schießstand, im Fitnessstudio, beim Schach und, in einer an Mad-TV erinnernden Sequenz, beim Baseball (parodiert sich De Niro hier wissentlich?) zeigt, gesteht De Niros Charakter Turk, 14 Menschen umgebracht zu haben. Im weiteren Verlauf wird dessen Aussage mehrfach dazwischen montiert. Aha, die Lösung des Falles vorne weg. Und dann auch noch öfter und immer schön die einzelnen Morde kommentierend. Wer diesen Braten nicht riecht, sollte mal mit Kochsalzlösung spülen. Zwar werden reichlich Köder ausgelegt, etwa in Form einer angedeuteten Affäre von Turks Freundin (sexy geheimnisvoll wie eh und je: Carla Gugino) oder dem kurzen Subplot um einen ehemaligen Cop. Die grundsätzliche Idee des Films und damit auch die wohl als Twist gemeinte Auflösung überraschen trotzdem kaum.

Abgesehen von dem vermeintlichen Geständnis verzichten Autor Russel Gewirtz („Inside Man" ) und Regisseur Jon Avnet („88 Minutes" ) sowohl auf Erzählexperimente als auch den Entwurf authentischer Charaktere. Immerhin legen sie den Figurhülsen teils raffinierte, amüsante Worte in den Mund. Tarantino’esques Gebrabbel, etwa wenn Rooster und Turk über eine Zeichentrickserie philosophieren, deren Held nur dank der „Underdog Super Energy Vitamin Pill“ Superkräfte erlangt; ein klares Zeichen für Drogenmissbrauch und eine Gefahr für die Kinder. Insgesamt erhalten die Schauspielschwergewichte kaum nennenswerten Stoff, um etwas Unvergessliches darzubieten.

Wundert man sich, was die beiden hier zu suchen haben? Da darf der geneigte Filmfan Robert De Niros Aussage „The talent is in the choices“ durchaus einmal kritisch hinterfragen. Und auch die immer wieder bemühte Leidenschaft Pacinos für seinen Beruf. Die Zeiten, in denen die Zwei selbst einen mageren Stoff stets erhöhten und interessante, nuancierte Protagonisten boten, sind vorbei. Stattdessen bewegen sie sich auf einem spannungsarmen Grat der Selbstreferenz, links und rechts haarscharf an der Grenze zur Parodie oder Apathie. De Niro zitiert „Der Pate III“, zitiert „Goodfellas“, verzieht den Mund, hebt die Augenbrauen, hegt und pflegt lang bekannte darstellerische Manierismen, redet und bewegt sich wie ein Klon aus all seinen bisherigen Mafia- und Cop-Rollen. Pacino dagegen gönnt sich nicht einmal einen seiner „Hoo-ah!“-Momente und übt sich in Zurückhaltung. Sein Rooster witzelt sich zynisch und grinsend durch die 100 Minuten. Was ist nun besser? So hundertprozentig weder noch.

Im Film werden beide mit „Lennon und McCartney“ verglichen und tatsächlich kann man diesen Eindruck des Duos gewinnen. Mag mit der tatsächlichen Freundschaft von Pacino und De Niro zu tun haben. Die Vorstellung, dass die polizeiliche Kameradschaft eine Spiegelung der Realität ist, macht Spaß. Der Rest nicht. „Kurzer Prozess – Righteous Kill“ ist nur was für hartgesottene Pacino/De Niro-Fans.


28.12.08 17:05
 



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