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Underworld: Aufstand der Lykaner

Dunkles Drama

von Dennis Vetter

USA 2009, Regie: Patrick Tatopoulos; Buch: Danny McBride, Dirk Blackman, Howard McCain; Kamera: Ross Emery; Musik: Paul Haslinger; Produktion: Len Wiseman, Kevin Grevioux, u.a..

Darsteller: Michael Sheen (Lucian), Bill Nighy (Viktor), Rhona Mitra (Sonja), Steven Mackintosh (Tannis), Kevin Grevioux (Raze).

Verleih: Sony Pictures
Laufzeit: 92 Minuten
Dt. Kinostart: 26.02.2009

IMDb-Link: http://www.imdb.com/title/tt0834001/



Der Vampir – kaum eine Fantasiegestalt unterliegt so klaren Regeln wie der untote Blutsauger und bietet dabei dennoch einen so großen Spielraum für Interpretationsansätze. Vampirismus als filmische Thematik hat zu einer Vielzahl visueller Umsetzungen, theoretischer Reflexionen über Moral, Sexualität, Sterblichkeit und Film als zeitloses Medium angeregt. Dabei sind häufig besonders markante Charaktere entstanden, Einzelgänger, die, gebeutelt vom Fluch des immerwährenden Lebens, ein nie endendes Dasein der Tristesse fristen und gezwungen sind, entgegen ihrer früheren moralischen Überzeugungen grausame Taten zu begehen, um sich selbst vor Wahnsinn oder Tod zu bewahren.

So vielfältig und eindrucksvoll wie die vampirischen Charaktere ist auch deren Erscheinungsbild. Die Gestalt des Vampirs hat sich vom rattenartigen Geschöpf aus Murnaus NOSPHERATU, EINE SYMPHONIE DES GRAUENS (1922) über Christopher Lees aristokratischen Verführertypus bis hin zur heutigen Form des anmutigen, coolen Killers ständig gewandelt und – vor allem in jüngster Vergangenheit – zunehmend den Rezeptionsgewohnheiten des Publikums angepasst. Der Vampir wurde für das Mainstream-Kino immer weiter modifiziert, und schließlich in Filmen wie BEGIERDE (1983) oder KÖNIGIN DER VERDAMMTEN (2002) einem Star gleich mit Sub- und Popkultur verflochten. So ist der einstige Schrecken seiner Gestalt einer bewundernd euphorischen, zum Teil erotisch konnotierten Haltung – oder, wie aktuell in TWILIGHT – BISS ZUM MORGENGRAUEN (2008), gar einer völligen Banalisierung gewichen.

Mit UNDERWOLRD (2003) und der Fortsetzung UNDERWORLD: EVOLUTION (2006) zollte Len Wiseman dem Vampirmythos einen unterhaltsamen Tribut und revitalisierte ihn ein weiteres Mal. Er wendete sich beinahe ganz vom menschlichen ‚Fußvolk’ ab, stellte mit sichtlicher Begeisterung völlig verschiedene Typen und Charaktermodelle des Vampirs in einem Film nebeneinander und verfrachtete diese wilde Mixtur zur Begeisterung des Matrix-Publikums in ein spätmodernes, technisiert unterkühltes Grostadtambiente. So wurden die aristokratischen, schwertschwingenden Vampire der Vergangenheit von der neuen Vampirgeneration der Latex-Outfits und vollautomatischen Waffen bei Bedarf kurzerhand aus der Kiste geholt, per Erinnerungsübertragung ‚upgedatet’ und fügten sich so wunderbar in die Gegenwart ein. Eingehüllt in ein einheitliches Neo-Gothic-Ambiente präsentierten die Filme dabei vom intriganten Mepistopheles-Typus über den adligen Count Dracula-Verschnitt bis hin zur verführerischen Vampirzofe eine recht umfassende Sammlung bis dato gängiger Vampirklischees – eine Rechnung, die aufging, denn der Erfolg der ersten Teile hat eine weitere Fortsetzung ermöglicht.



Das Prequel UNDERWORLD: AUFSTAND DER LYKANER geht dem Ursprung der Jahrhunderte währenden Blutfehde zwischen Vampiren und den monströsen Lykanern auf den Grund, welche in Teil 1 und 2 bereits in vollem Gange war. Hierbei treten einige Unterschiede zu diesen auf. Während sich bisher die Kamera um Kate Beckinsale als toughe Vampirdame Selene drehte, die als klar ‚konturierte’, eindimensionale Heldin zwischen meist intriganten, kaltherzigen anmutenden Vampiren und anderen Unsterblichen Gestalten um ihr Leben kämpfen musste, steht nun der Leidensweg des einstigen Bösewichts Lucian (Michael Sheen) im Vordergrund. Bereits im ersten Teil wurde in Rückblenden seine tragische Vergangenheit angedeutet, was ihn während des Handlungsverlaufs zu einer der plausibelsten Figuren machte, jedoch erreichte er nie den Status einer moralisch einwandfreien Figur. Nun erhält er seine Absolution und wird rückwirkend als tragischer Held etabliert.

Dies geschieht erstmals in einem klassischen Vampirszenario. Wir finden uns im Mittelalter, Sturmgewehre wurden gegen Schwerter, Äxte und Armbrüste getauscht und die Welt ist noch in Ordnung: Die Vampire herrschen unter Viktors strenger Fuchtel über das Land und niemand gefährdet ihre Vormachtstellung. Die Welt wäre perfekt, wenn sich nicht in den düsteren Wäldern des Landes Werwölfe finden würden, die in regelmäßigen Abständen über vampirisch Patrouillen herfielen. Doch die Plage bringt einen unerwarteten Vorteil. Lucian, der erste Lykaner wird geboren. Er besitzt im Gegensatz zu seinen primitiven Artgenossen einen klaren Geist und die Fähigkeit, sich nach Belieben in seine monströse Form zu verwandeln. Viktor verschont ihn, zieht ihn als Sklaven groß und schließlich werden zahllose Menschen durch Lucians Hilfe zu Lykanern transformiert, um tagsüber über die vampirischen Ruhestätten zu wachen. Lucian lebt als Günstling Viktors und erträgt demütig sein Schicksal. Der Endpunkt der Geschichte ist aus Rückblenden bekannt und wird konsequent beibehalten. Lucian geht eine geheime Liebesbeziehung mit Viktors Tochter Sonja (Rhona Mitra) ein, gerät durch eine Fügung des Schicksals in Viktors Missgunst und kann seinen Wunsch nach Freiheit schließlich nicht mehr unterdrücken. Er begehrt gegen seinen Herren auf und befreit sich und einige Mitstreiter von den vampirischen Unterdrückern. Die Katastrophe ist unvermeidbar, die Würfel sind gefallen...

Es ist beinahe Schade, dass UNDERWORLD: AUFSTAND DER LYKANER erst als dritter Teil erscheint, denn wäre das Ende des Films nicht bekannt, würde er noch weitaus mitreißender wirken – Viktors väterliche Maßnahmen hinterließen mit Sicherheit einen recht intensiven Eindruck. Patrick Tatopoulos, der bei den Vorgängern seinem Beruf als Production Designer alle Ehre machte, hat mit seinem Regiedebüt eine ausgesprochen stimmige Fortsetzung abgeliefert, die zum Teil besser als Wisemans zweiter Teil der Reihe funktioniert, der sehr auf Spektakel abzielte und dafür hin und wieder üble Logiklücken aufzuweisen hatte. Teil 3 fokussiert sich ganz auf die Schlüsselcharaktere, vor allem der bedrückende Konflikt zwischen Lucian und Viktor kommt hervorragend zum Tragen und so verleiht Tatopoulos dem im Verflachen begriffenen UNDERWORLD-Kosmos wieder erfolgreich mehr Tiefe.



Zwei Kritikpunkte bleiben dennoch. Erstens ist Rhona Mitra zwar ein ausgezeichneter Ersatz für Kate Beckinsale, erhält aber nicht das Maß an Aufmerksamkeit, welches sich mancher Kinogänger nach der Vorgängern vielleicht gewünscht hätte. Ihre Figur wirkt ein wenig naiv und unselbstständig, sie bleibt hinter der starken Frauenfigur Selenes deutlich zurück - enttäuschend. Zweitens ist die visuelle Umsetzung von AUFSTAND DER LYKANER nicht vollends geglückt. Gerade bei den Actionszenen des Films kommt der Zuschauer nicht vollends auf seine Kosten, zu sehr zerstückeln übertriebene und unkoordiniert wirkende Montageorgien das Geschehen. Oft bleibt nur eine Flut von Bildern, garniert mit reichlich eingestreuten Gore-Effekten, ein Bilderwust, der nicht wirklich dem hohen ästhetischen Standard der restlichen Szenen des Films gerecht werden kann – Farbfilter sorgen sonst für eine trübe, modrig mittelalterliche Bildwelt, die sofort an Schauermärchen erinnert und wunderbar mit den Fantasyfiguren harmoniert.

UNDERWORLD: AUFSTAND DER LYKANER erreicht im Gegensatz zu Wisemans Sequel inhaltlich und dramaturgisch wieder die Plausibilität des ersten Teils, reduziert allerdings ein wenig das Spektakel der Vorgänger zu Gunsten der Charaktere und ihrer Entwicklung. Leider findet sich kein vollwertiger Ersatz für Kate Beckinsale als Vampirlady Selene, was manchen Fan enttäuschen mag, den Film allerdings nicht weniger unterhaltsam macht – Michael Sheen gleicht den Verlust einer weiblichen Hauptfigur mit einer hervorragenden schauspielerischen Leistung hervorragend aus.

Fazit: Eine überraschend gelungene Fortsetzung mit kleinen Mängeln.


23.1.09 17:10
 



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